Bewertungskriterien Quartier
Ökologische Qualität (ENV)
ENV1.1 Ökobilanz

 

ENV1.2 Gewässer- und Bodenschutz

 

ENV1.3 Veränderung des Stadtteilklimas

 

ENV1.4 Artenvielfalt und Vernetzung

 

ENV1.5 Berücksichtigung von möglichen Umwelteinwirkungen

 

ENV2.1 Flächeninanspruchnahme

 

ENV2.2 Gesamtprimärenergiebedarf und Anteil erneuerbarer Primärenergie

 

ENV2.3 Energieeffiziente Bebauungsstruktur

 

ENV2.4 Ressourcenschonende Infrastruktur, Erdmassenmanagement

 

ENV2.5 Lokale Nahrungsmittelproduktion

 

ENV2.6 Wasserkreislaufsysteme

 

Ökonomische Qualität (ECO)
ECO1.1 Lebenszykluskosten

 

ECO1.2 Fiskalische Wirkungen auf die Kommune

 

ECO2.1 Wertstabilität

 

ECO2.2 Flächeneffizienz

 

Soziokulturelle und funktionale Qualität (SOC)
SOC1.1 Soziale und funktionale Mischung

 

SOC1.2 Soziale und erwerbswirtschaftliche Infrastruktur

 

SOC2.1 Objektive / Subjektive Sicherheit

 

SOC2.2 Aufenthaltsqualität in öffentlichen Räumen

 

SOC2.3 Lärm- und Schallschutz

 

SOC3.1 Freiraumangebot

 

SOC3.2 Barrierefreiheit

 

SOC3.3 Nutzungsflexibilität und Bebauungsstruktur

 

SOC4.1 Städtebauliche Einbindung

 

SOC4.2 Städtebauliche Gestaltung

 

SOC4.3 Nutzung von Bestand

 

SOC4.4 Kunst im öffentlichen Raum

 

Technischee Qualität (TEC)
TEC1.1 Energietechnik

 

TEC1.2 Effiziente Abfallwirtschaft

 

TEC1.3 Regenwassermanagement

 

TEC1.4 Informations- und Telekommunikationsinfrastruktur

 

TEC2.1 Instandhaltung, Pflege, Reinigung

 

TEC3.1 Qualität der Verkehrssysteme

 

TEC3.2 Qualität der Strassen-Infrastruktur

 

TEC3.3 Qualität der ÖPNV-Infrastruktur

 

TEC3.4 Qualität der Radverkehr-Infrastruktur

 

TEC3.5 Qualität der Fußgänger-Infrastruktur

 

Prozessqualität (PRO)
PRO1.1 Partizipation

 

PRO2.1 Verfahren zur Konzeptfindung

 

PRO2.2 Integrale Planung

 

PRO2.3 Kommunale Mitwirkung

 

PRO3.1 Steuerung

 

PRO3.2 Baustelle, Bauprozess

 

PRO3.3 Vermarktung

 

PRO3.4 Qualitätssicherung und Monitoring

 

Bewertungskriterien Gebäude
Ökologische Qualität (ENV)
ENV1.1 Ökobilanz – Emissionsbedingte Umwelteinwirkungen

Gebäude verursachen in allen Phasen ihres Lebenszyklus Emissionen, von der Herstellung über die Nutzung bis zum Lebensende. Diese Emissionen gehen in Luft, Wasser und Boden über und verursachen dort vielfältige Umweltprobleme. Hierzu zählen die globale Erwärmung, die Zerstörung der stratosphärischen Ozonschicht, Sommersmog, Wald- und Fischsterben sowie die Überdüngung von Gewässern und Böden. Ziel ist es deshalb, die Emissionen von Gebäuden über den gesamten Lebenszyklus hinweg möglichst weit zu reduzieren.

ENV1.2 Risiken für die lokale Umwelt

Die Zielsetzung besteht darin, die Verwendung von Stoffen und Zubereitungen zu reduzieren bzw. zu vermeiden, die aufgrund ihrer stofflichen Eigenschaften oder Rezepturbestandteile während ihrer Herstellung, Nutzung, Transport und Verarbeitung auf der Baustelle oder ihrer Beseitigung ein Risikopotential für die Umweltmedien Grundwasser, Oberflächenwasser, Boden und Luft enthalten.

ENV1.3 Umweltverträgliche Materialgewinnung

Einheimische und europäische Hölzer:
Nach jahrhundertelangem Raubbau in Mitteleuropa hat sich bereits früh die nachhaltige Form der Holznutzung durchgesetzt. Diese Entwicklung der nachgewiesenen Nachhaltigen Forstwirtschaft wird für den ganzen Europäischen Raum gewünscht (FSC, PEFC).

Aussereuropäische Hölzer:
Der dramatischen globalen Waldzerstörung soll durch die Förderung des nachhaltig gewonnenen Rohstoffes Holz entgegengewirkt werden (FSC). Nur der wirtschaftliche Wert der Wälder kann die Brandrodung und die Rodung zugunsten anderer Agrarerzeugnisse als Hauptursachen der Zerstörung reduzieren. Für aussereuropäische Hölzer sind zwingend die Labels der Nachhaltigen Forstwirtschaft zu fordern. Anerkannte Standards in der Natursteinverarbeitung einzuhalten, verbessert die Arbeitsbedingungen in Steinbrüchen und weiterverarbeitenden Betrieben in Entwicklungs- und Schwellenländern.

ENV2.1 Ökobilanz – Primärenergie

Das Kriterium bewertet den gesamten Primärenergiebedarf eines Gebäudes. Besonderer Wert wird hierbei auf eine Reduktion des Gesamtverbrauchs an Primärenergie und auf eine Maximierung des Einsatzes erneuerbarer Energien gelegt. Ziel ist hierbei eine Übererfüllung der gesetzlichen Vorschriften zugunsten des globalen Klima- und Ressourcenschutzes.

ENV2.2 Trinkwasserbedarf und Abwasseraufkommen

Trinkwasser ist kostbar. Jeder Mensch muss zum Überleben täglich 2-3 Liter Wasser zu sich nehmen. Der Trinkwasserverbrauch in der Schweiz liegt allerdings weit darüber – bei etwa 237 Litern pro Person und Tag. Der grösste Teil des verbrauchten Trinkwassers wird für die Körperhygiene, die Reinigung und nicht zuletzt den Toilettengang verwendet. Für Büro- und Verwaltungsbauten liegt der durchschnittliche Verbrauch anteilig bei ca. 30 bis 50 Litern pro Arbeitstag und Mitarbeiter.
Diese Wassermenge wird pro Tag und Person den natürlichen Kreisläufen entnommen, aufbereitet, genutzt und muss anschliessend aufwendig geklärt werden, um wieder in Fliessgewässer eingeleitet zu werden.
Die Ziele sind daher, diesen Verbrauch durch geeignete Massnahmen zu verringern, damit den Aufwand für die Gewinnung von Trinkwasser und die Abwasseraufbereitung zu reduzieren und die Störung des natürlichen Wasserkreislaufs weitgehend zu vermeiden.

ENV2.3 Flächeninanspruchnahme

Der ungebremste Bodenverbrauch von 1 m²/s und die fortschreitende Zerschneidung und Zersiedlung der Landschaft sind nicht vereinbar mit einer Nachhaltigen Entwicklung in der Schweiz. In dem Aktionsplan 2008-2011 der «Strategie Nachhaltige Entwicklung» des Bundesrates werden bei den Schlüsselherausforderungen die Ziele der Reduzierung des Flächenverbrauchs, die Beendigung der Zersiedelung der Landschaft und die nach innen zu lenkende Siedlungsentwicklung genannt. Mit einer verstärkten Ausrichtung der kantonalen Richtplanung und der kommunalen Nutzungsplanung auf die Nachhaltige Entwicklung und die Schaffung von geeigneten Rahmenbedingungen für eine flächen- und kostensparende Siedlungsentwicklung soll die stetige Zunahme von Siedlungsfläche bzw. Siedlungsfläche pro Person reduziert und auf einem verträglichen Niveau stabilisiert werden.

Ökonomische Qualität (ECO)
ECO1.1 Gebäudebezogene Kosten im Lebenszyklus

Immobilien verursachen über ihren gesamten Lebenszyklus (Lz) hinweg hohe Kosten: von der Erstellung über die Nutzung bis hin zum Rückbau. Im Sinne eines wirtschaftlichen Umgangs mit finanziellen Ressourcen ist es das Ziel der Bereiche Bauen und Nutzen, die gesamten Lebenszykluskosten (LzK) von Bauwerken und deren Umgebung zu minimieren.
Die LzK-Ermittlungen im Rahmen der Zertifizierung dienen vor allem dazu, unterschiedliche Bauwerke einer gemeinsamen Nutzungsart vergleichbar zu machen. Für diese Anwendung werden daher eindeutige Regeln für die Ermittlung und die Dokumentation vorgegeben. Bewertet werden die Ergebnisse anhand von Vergleichswerten (Benchmarks).
Ziel dieser Regeln ist es, ein vergleichbares und streng projektbezogenes Verfahren zu etablieren, das verschiedene Bauwerke der gleichen Nutzungsart anhand von festgelegten Parametern vergleichbar macht. Dabei werden ausgewählte Herstellungs- und Nutzungskosten einbezogen, um unnötige Ausgaben zu vermeiden. Der Betrachtungsrahmen wird auf bestimmte Kostengruppen reduziert, um den Fokus auf die bauwerksbezogenen Lebenszykluskosten zu behalten. Die Lebenszykluskosten werden über einen fest definierten Betrachtungszeitraum ermittelt.

ECO2.1 Flexibilität und Umnutzungsfähigkeit

Je leichter sich ein Gebäude an veränderte Anforderungen anpassen lässt, desto günstiger wirkt sich das auf die Akzeptanz der Nutzer, seine Lebensdauer und die Lebenszykluskosten aus. Gute Umnutzungsfähigkeit und Flexibilität vermindern daher das Risiko eines Leerstands und tragen langfristig zum wirtschaftlichen Erfolg der Immobilie bei. Das Ziel ist es deshalb, das Gebäude so flexibel wie möglich zu konzipieren und eine möglichst grosse Fähigkeit zur Umnutzung einzuplanen.

ECO2.2 Marktfähigkeit

Eine der drei Säulen der Nachhaltigkeit ist die Ökonomie. Als Ökonomie wird hierbei die Gesamtheit aller Einrichtungen und Prozesse verstanden, die dazu dienen, den menschlichen Bedarf zu decken - sei es durch die Produktion und Verteilung von Gütern oder das Angebot von Dienstleistungen. Auch Gebäude dienen den Menschen: Je nach Nutzung unter anderem zum Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Sport treiben etc. Nicht genutzte Gebäude sind eine Fehlallokation wirtschaftlicher Ressourcen. Ein (mittel- oder langfristig) leerstehendes Gebäude ist nicht nachhaltig. Ziel dieses Kriteriums ist es deshalb zu prüfen, ob ein Gebäude das Potential hat, mittel- und langfristig vom relevanten Markt bzw. den angestrebten Nutzern akzeptiert zu werden.

Soziokulturelle und funktionale Qualität (SOC)
SOC1.1 Thermischer Komfort

Der thermische Komfort in Gebäuden leistet einen wichtigen Beitrag zu einem effizienten und leistungsfördernden Arbeits- und Wohnumfeld. Thermisch komfortabel ist ein Raum, wenn es dort weder zu kalt noch zu warm ist, die Luft nicht zu trocken oder zu feucht ist und keine Zugluft herrscht.

SOC1.2 Innenraumluftqualität

Ziel ist die Sicherstellung einer Innenraumluftqualität unter hygienischen Gesichtspunkten, so dass sie zu keinen negativen Effekten hinsichtlich der Befindlichkeit der Raumnutzer führt, die hygienische Sicherheit garantiert und eine empfundene Luftqualität gewährleistet, die bei den Raumnutzern zu keinen negativen Geruchseindrücken führt. Eine TVOC (Total Volatile Organic Compound) Konzentration von mehr als 3.000 μg/m³ ist als hygienisch bedenklich einzustufen, deshalb sind Gebäude mit einer solch hohen Belastungen nicht zertifizierbar.

SOC1.3 Akustischer Komfort

Ziel ist die Sicherstellung einer geeigneten raumakustischen Qualität entsprechend der jeweiligen Nutzung der Räume. Die raumakustische Qualität bestimmt die akustische Behaglichkeit und hat wesentlichen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz.

SOC1.4 Visueller Komfort

Die Nutzerzufriedenheit steht in engem Zusammenhang mit dem Komfortempfinden des Nutzers. Hierbei spielt die Tageslichtversorgung im Innenraum eine besonders wichtige Rolle. Natürliches Licht wirkt sich positiv auf die psychische und physische Gesundheit des Menschen aus.
Der visuelle Komfort an Arbeitsplätzen bildet die Grundlage für effizientes und leistungsförderndes Arbeiten und einer hohen Zufriedenheit am Arbeitsplatz, zudem ermöglicht eine gute Tageslichtnutzung ein Energieeinsparpotential für künstliche Beleuchtung und Kühlung. Es soll daher in allen ständig genutzten Innenräumen eine ausreichende und störungsfreie natürliche und künstliche Beleuchtung sichergestellt werden.

SOC1.5 Einflussnahme des Nutzers

Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit des Nutzers ebenso wie der Energieverbrauch im Gebäude hängen eng mit den Möglichkeiten zusammen, die der Nutzer zur individuellen Beeinflussung des Raumklimas hat. Wichtige Faktoren für eine möglichst hohe Akzeptanz des Raumklimas sind die thermische Behaglichkeit, die Qualität der Innenraumluft, der Geräuschpegel und die Beleuchtung. Ziel des Kriteriums ist es deshalb, dem Nutzer eine möglichst grosse Einflussnahme auf die Bereiche Lüftung, Sonnenschutz, Blendschutz, Temperatur (innerhalb und ausserhalb der Heizperiode) Tageslicht und Kunstlicht zu ermöglichen.

SOC1.6 Aussenraumqualitäten

Aussenliegende Aufenthaltsbereiche in der unmittelbaren Umgebung des Gebäudes dienen dem Allgemeinwohl des Nutzers, bieten alternative Arbeits- und Pausenflächen, fördern den Austausch zwischen den Nutzern und erhöhen die allgemeine Akzeptanz des Bauwerks. Die Einbindung der gebäudebezogenen Aussenflächen in die Gesamtgestaltung des Bauwerks und seiner Umgebung fördert die Entwicklung eines dreidimensionalen urbanen Umfelds. Die Aussenraumflächen können darüber hinaus bei entsprechender Gestaltung einen Beitrag zur Verbesserung des Stadtbildes und des Mikroklimas sowie zur Reduktion des CO2-Ausstosses leisten.
Ziel ist es, möglichst vielen Nutzern möglichst vielfältige Aufenthaltsmöglichkeiten mit unterschiedlichen Qualitäten zu bieten.

SOC1.7 Sicherheit und Störfallrisiken

Ein hohes Sicherheitsempfinden trägt grundlegend zur Behaglichkeit des Menschen bei. Unsicherheit und Angst schränken hingegen die Bewegungsfreiheit ein. Massnahmen, die das Sicherheitsgefühl erhöhen, sind in der Regel auch dazu geeignet, die Gefahr von Übergriffen durch andere Personen zu verringern.
Ziel ist es, Gefahrensituationen so weit wie möglich zu vermeiden und die Auswirkungen eines nicht zu verhindernden Schadens durch höhere Gewalt soweit wie möglich zu reduzieren.

SOC2.1 Barrierefreiheit

Das Behindertengleichstellungsgesetz und die Gleichstellungsverordnung fordern von Gesetzeswegen her hindernisfreie Bauten. Die grösstmögliche Barrierefreiheit, sowohl des Innenbereichs als auch der zugehörigen Aussenflächen, ist ein entscheidendes Kriterium für die Nutzbarkeit eines Gebäudes. Barrierefreiheit ist ein wesentlicher Bestandteil einer zukunftsweisenden und nachhaltigen Entwicklung im Bauwesen.
Ziel ist es, jedem Menschen die gesamte gebaute Umwelt ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich zu machen. Das soll Menschen mit Behinderungen eine unabhängige Lebensführung und die volle Teilhabe in allen Lebensbereichen ermöglichen.
Dabei muss die Barrierefreiheit für die öffentlich genutzten Bereiche gewährleistet sein und sollte gleichfalls für die nutzungsspezifisch ausgewiesenen Bereiche umgesetzt werden.

SOC2.2 Öffentliche Zugänglichkeit

Die gesellschaftliche Akzeptanz eines Gebäudes ebenso wie seine Integration in den städtebaulichen Kontext, wird durch eine gute öffentliche Zugänglichkeit und durch ein vielfältiges Nutzungsangebot gefördert.
Öffentliche Zugänglichkeit fördert die Kommunikation und die Gemeinschaft. Ein vielfältiges Nutzungsangebot sorgt für eine Belebung des öffentlichen Raumes und fördert die Gemeinschaft, erhöht die Akzeptanz der Nachbarschaft und die Integration des Gebäudes und der Freiflächen als Teil des vorhandenen Stadt-raumes. Gleichzeitig erhöhen diese Faktoren das Sicherheitsempfinden der Nutzer und tragen zur ökonomischen Nachhaltigkeit des Gebäudes bei.

SOC2.3 Velokomfort

Velofahren ist wesentlicher Bestandteil eines umweltgerechten Individualverkehrs. Ziel ist es deshalb, die Nutzung von Velos zu fördern und zu unterstützen.
Da ein Grossteil der Autofahrten weniger als 5 km beträgt, kann die Umlagerung auf Velofahren massgeblich zur Ausbildung einer umweltgerechten und energieeffizienten Mobilität beitragen. Dabei sind es nicht vorwiegend die quantitativen, sondern die qualitativen Aspekte, die über die Nutzerakzeptanz entscheiden. Ein quantitativer Mangel der gebäudebezogenen Veloinfrastruktur wird in der Praxis oft durch ‚wildes' Parkieren im öffentlichen Bereich ausgeglichen. Ein schwerer qualitativer Mangel führt oft zum Versagen der Veloinfrastruktur und kann nicht ausgeglichen werden.
Das Ziel ist, die Nutzung von Velos zu fördern und zu unterstützen. Wichtige Voraussetzung hierfür ist eine ausreichende Anzahl von qualitativ angemessenen Velostellplätzen auf dem Grundstück. Dies steigert die Nutzerakzeptanz und verhindert ein unkontrolliertes Abstellen der Velos im öffentlichen Bereich.

SOC3.1 Verfahren zur städtebaulichen und gestalterischen Konzeption

Die Vergabe von Planungsleistungen über Wettbewerbe hat sich bewährt. Wettbewerbe dienen dem Erreichen einer optimalen Lösung für die architektonischen und baulich-konstruktiven Aufgaben. Sie sichern darüber hinaus die baukulturelle Vielfalt.

SOC3.2 Kunst und Bau

Kunst am Bau ist Bestandteil der Baukultur und trägt zur Qualität und Ausdruckskraft eines Bauwerks sowie zu einem Dialog zwischen Gebäude, Nutzerschaft und Öffentlichkeit bei. Öffentliche und private Bauherren sollen die Baukultur fördern und Leistungen an bildende Künstler vergeben, sofern Zweck und Bedeutung des Bauwerks dies rechtfertigen.

SOC3.3 Grundrissqualitäten

Der Grundriss eines Gebäudes hat wesentlichen Einfluss auf dessen Funktionalität und Flexibilität hinsichtlich unterschiedlicher Nutzungen. Diese Faktoren wiederum tragen entscheidend zur räumlichen und gestalterischen Qualität und Wertstabilität eines Gebäudes bei. Sie beeinflussen auch das Wohlbefinden der Nutzer.

Technische Qualität (TEC)
TEC1.1 Brandschutz

Mit der Entstehung eines Brandes ist praktisch jederzeit zu rechnen. Brandereignisse gefährden Leib und Leben von Menschen und Tieren, verursachen Schäden an der Sache (z. B. Bausubstanz) und setzen Schadstoffemissionen frei. Vorzubeugen ist gegen die Entstehung eines Brandes und der Ausbreitung von Feuer und Rauch. Weiterhin ist zu gewährleisten, dass bei einem Brand Menschen und Tiere gerettet sowie wirksame Löscharbeiten durchgeführt werden können.

TEC1.2 Schallschutz

Im Sinne der Nachhaltigkeit wird bei der Bewertung des Schallschutzes nicht die Höhe des Schallschutzes belohnt, sondern die Abstimmung auf die Erwartung des Nutzers bzw. der Nutzergruppe, ausserdem die Kommunikation des zu erwartenden Schallschutzes.
Damit sollen die baulichen Aufwendungen auf das für die Erwartungen abgestimmte Mass optimiert und teure und nicht nachhaltige Überdimensionierungen soweit möglich verhindert werden.
Schliesslich soll der fachlich korrekte und damit nutzbringende Einbau der geplanten Schallschutzbauteile durch Ausführungskontrollen begleitet werden, so dass die getätigten Investitionen optimal zum Tragen kommen.
Zusätzlich wird die Flexibilität bzw. die Möglichkeit einer späteren Umnutzung, z. B. Fremdnutzungsunterteilung, positiv bewertet.

TEC1.3 Wärme- und feuchteschutztechnische Qualität der Gebäudehülle

Ziel ist die Minimierung des Primärenergiebedarfs für die Raumkonditionierung von Gebäuden bei gleichzeitiger Sicherstellung einer hohen thermischen Behaglichkeit und der Vermeidung von Bauschäden.

TEC1.4 Anpassungsfähigkeit der technischen Systeme

Technische Systeme (BKP-Positionen 23, 24, 25 und 26) gehören zu denjenigen Komponenten eines Gebäudes, die dem schnellsten Wandel unterworfen sind; gleichzeitig üben sie wesentlichen Einfluss auf die Funktionstüchtigkeit eines Gebäudes aus. Die Anpassungsfähigkeit der technischen Systeme – insbesondere im Bereich der Gebäudetechnik – spielt deshalb eine wichtige Rolle für die Nachhaltigkeit eines Gebäudes.
Eine hohe Adaptivität der technischen Systeme (d. h. eine gute Anpassbarkeit an sich wandelnde Rahmenbedingungen) kann die Nutzerakzeptanz eines Gebäudes, seine Lebensdauer ebenso wie die im Betrieb entstehenden Kosten entscheidend beeinflussen. Ziel muss es deshalb sein, Gebäude schon heute so zu planen und zu errichten, dass zukünftige Änderungen möglichst leicht vorgenommen werden können.

TEC1.5 Reinigungs- und Instandhaltungsfreundlichkeit des Baukörpers

Die Frage, wie ein Gebäude gereinigt und Instand gehalten werden kann, hat eine grosse Auswirkung auf Kosten und Umweltwirkung eines Gebäudes während seiner Nutzung. Bauteile, die eine optimale Instandhaltung erfahren, haben eine höhere Lebensdauer. Oberflächen, die sich leicht reinigen lassen, benötigen weniger Reinigungsmittel und verursachen geringere Reinigungskosten.
Ziel muss es deshalb sein, die Betriebsaufwendungen für Reinigung und Instandhaltung möglichst gering zu halten und gleichzeitig eine lange Lebensdauer der eingesetzten Materialien zu ermöglichen.

TEC1.6 Rückbau- und Demontagefreundlichkeit

Der Bausektor zählt zu den grössten Verursachern von Stoffströmen in der Schweiz. Die materiellen, energetischen und finanziellen Wirkungen, denen eine steigende Aufmerksamkeit gewidmet wird, hängen eng mit den verursachten Abfallmengen zusammen. Das zeigt sich auch daran, dass nahezu 50% des gesamtschweizerischen Abfallaufkommens dem Bausektor zuzurechnen sind. Herausforderung des Nachhaltigen Bauens ist in diesem Zusammenhang die anfallende Stoffstrommenge zu reduzieren sowie diese in einen Stoffkreislauf zu führen.

Prozessqualität (PRO)
PRO1.1 Qualität der Projektvorbereitung

Ziel des Kriteriums ist eine Optimierung des Planungsergebnisses durch eine frühzeitige Bedarfsplanung und eine entsprechende Zielvereinbarung. Die Anforderungen von Bauherrn und Nutzern an ein Gebäude werden in einer Bedarfsplanung ermittelt und in einer Zielvereinbarung festgelegt. Dies ermöglicht es, Planungsziele klar zu formulieren und ihre konsequente Umsetzung zu überprüfen. Eine solche Projektvorbereitung hat grossen Einfluss auf die spätere Qualität des Gebäudes.

PRO1.2 Integrale Planung

Eine integrale Planung ist die Grundlage für die Planung und Projektrealisierung eines nachhaltigen Gebäudes: Wenn sich alle unterschiedlichen Projektbeteiligten frühzeitig miteinander abstimmen, verbessert das massgeblich den Planungsprozess und das Endergebnis.

PRO1.3 Nachweis der Optimierung und Komplexität der Herangehensweise in der Planung

Für die Errichtung von nachhaltigen Gebäuden gibt es keine Standardlösung. Für jedes Projekt müssen daher immer wieder aufs Neue Lösungswege für die verschiedensten Themen erarbeitet werden. Damit diese möglichst gut ineinander greifen und zu einer optimalen Gesamtlösung führen, sollten sie zu einem frühen Zeitpunkt von einem interdisziplinären Planungsteam als Bestandteil der integralen Planung erarbeitet werden. Konzepte und Variantenstudien sind somit ein wesentlicher Bestandteil einer zielgerichteten Planung und tragen massgeblich zur Verbesserung der Gebäudequalität bei.
Die Erstellung von Konzepten und Nachweisen sichert die Erfassung der Komplexität und der Wechselwirkungen des nachhaltigen Bauens.

PRO1.4 Sicherung der Nachhaltigkeitsaspekte in Ausschreibung und Vergabe

Werden Nachhaltigkeitsaspekte in die Ausschreibung integriert, erhöht das die ökologische und soziale Gebäudequalität. Entscheidungen über die Produktqualität werden dadurch nämlich nicht mehr ausschliesslich aus ökonomischen Gesichtspunkten getroffen. Die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten bei der Auswahl von Firmen verfolgt dasselbe Ziel.

PRO1.5 Schaffung von Voraussetzungen für eine optimale Nutzung und Bewirtschaftung

Ziel ist es, den künftigen Gebäudebetrieb durch umfassende Unterlagen zum Gebäude zu unterstützen. Dies betrifft vor allem Informationen über Gebäudeteile, die im täglichen Betrieb von besonderer Relevanz sind, wie z.B. die Wartung von Oberflächen und haustechnischen Anlagen.
Darüber hinaus wird es mit zunehmender Komplexität und Technisierung der Gebäude immer wichtiger, Handlungsempfehlungen zur Nutzung des Gebäudes zu geben. In Form von Nutzer- oder Mieterhandbüchern und Leitfäden können wichtige Informationen zum Gebäude aufbereitet und zielgerichtet weitergegeben werden.

PRO2.1 Baustelle / Bauprozess

Baustellen und Bauprozesse belasten die lokale Umwelt durch Lärm, Staub und Schmutz. Ziel dieses Kriteriums ist es, die Einflüsse auf die lokale Umwelt und die Anwohner in der näheren Umgebung zu minimieren.

PRO2.2 Qualitätssicherung der Bauausführung

Das Kriterium dient der Beschreibung und Bewertung der Bauausführung. Ziel ist es, durch eine gute Gebäudedokumentation und durch Qualitätskontrollen während der Bauphase Mängel so weit wie möglich auszuschliessen und die erzielte Qualität zu dokumentieren. Darüber hinaus sollen spätere Umbau- und Rückbaumassnahmen erleichtert und hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit optimiert werden.

PRO2.3 Geordnete Inbetriebnahme

Die geordnete Inbetriebnahme eines Gebäudes trägt entscheidend zu einer langfristig und effizient funktionierenden Gebäudetechnik bei. Das Kriterium bewertet deshalb die Durchführung einer geordneten Inbetriebnahme.

Standordqualität (SITE)
SITE1.1 Mikrostandort

Gebäude sind vielfältigen Umwelteinflüssen ausgesetzt. In der Regel werden diese Umweltwirkungen auf das Gebäude in den gesetzlichen Vorschriften angemessen berücksichtigt. Ergänzend hierzu behandelt dieses Kriterium Extremereignisse, die Zustand und Wert eines Gebäudes deutlich beeinflussen können.
Teilweise wurden vom Bund und den Kantonen Regelungen erlassen, die bestimmte Verhältnisse am Mikrostandort sicherstellen oder zumindest dokumentieren sollen (z.B. Lärmemissionen, Luftverunreinigungen).
Die hier untersuchten Risiken verursachen bei Eintritt hohen wirtschaftlichen Schaden und führen zu Verunsicherung in der Bevölkerung. Ihre Wirkung strahlt in der Regel weit über den Makrostandort. Somit ist die einzelne Privatperson überfordert, mit den Folgen umzugehen und ist darauf angewiesen, dass die Gesellschaft unterstützend eingreift, wie es auch zum Selbstverständnis der demokratischen Grundordnung gehört.

SITE1.2 Image und Zustand von Standort und Qualität

Das Image eines Standorts ist zum einen nutzungsabhängig, hat zum anderen aber auch Einfluss auf die spätere Nutzung selbst. Ein industriell geprägtes Image kann sich zum Beispiel positiv auf gewerbliche Nutzungen, aber negativ auf Wohnnutzungen auswirken. Das Image eines Standorts trägt wesentlich dazu bei, dass das Gebäude von seinen Nutzern und Besuchern angenommen wird. Ein schlechtes Image kann zu Leerstand und einem vorzeitigen Abrisses des Gebäudes führen. Insbesondere für die ökonomische und soziale Qualität eines Standorts ist es deshalb entscheidend, dass dieser nicht nur funktionalen Anforderungen genügt, sondern auch ein positives Image vermittelt.

SITE1.3 Verkehrsanbindung

Die Anbindung eines Gebäudes an verschiedene Verkehrsmittel ist ein wichtiges Kriterium für die Qualität des Standorts. Das Kriterium bewertet deshalb die räumliche Anbindung des Gebäudes an die einzelnen Verkehrsmittel (z. B. die Entfernung zur nächsten Haltestelle oder Autobahnauffahrt) und die Leistungsfähigkeit und Qualität (z. B. Taktfrequenz) des jeweiligen Verkehrsmittels.

SITE1.4 Nähe zu nutzungsrelevanten Objekten und Einrichtungen

Ein Standort lässt sich nur gemeinsam mit seinem Umfeld und den Nutzungsmöglichkeiten in der Umgebung bewerten.

Produkte
Ökologische Qualität (ENV)
ENV1.1 Ökobilanz – Emissionsbedingte Umwelteinwirkungen

Gebäude verursachen in allen Phasen ihres Lebenszyklus Emissionen, von der Herstellung über die Nutzung bis zum Lebensende. Diese Emissionen gehen in Luft, Wasser und Boden über und verursachen dort vielfältige Umweltprobleme. Hierzu zählen die globale Erwärmung, die Zerstörung der stratosphärischen Ozonschicht, Sommersmog, Wald- und Fischsterben sowie die Überdüngung von Gewässern und Böden. Ziel ist es deshalb, die Emissionen von Gebäuden über den gesamten Lebenszyklus hinweg möglichst weit zu reduzieren.

ENV1.2 Risiken für die lokale Umwelt

Die Zielsetzung besteht darin, die Verwendung von Stoffen und Zubereitungen zu reduzieren bzw. zu vermeiden, die aufgrund ihrer stofflichen Eigenschaften oder Rezepturbestandteile während ihrer Herstellung, Nutzung, Transport und Verarbeitung auf der Baustelle oder ihrer Beseitigung ein Risikopotential für die Umweltmedien Grundwasser, Oberflächenwasser, Boden und Luft enthalten.

ENV1.3 Umweltverträgliche Materialgewinnung

Einheimische und europäische Hölzer:
Nach jahrhundertelangem Raubbau in Mitteleuropa hat sich bereits früh die nachhaltige Form der Holznutzung durchgesetzt. Diese Entwicklung der nachgewiesenen Nachhaltigen Forstwirtschaft wird für den ganzen Europäischen Raum gewünscht (FSC, PEFC).

Aussereuropäische Hölzer:
Der dramatischen globalen Waldzerstörung soll durch die Förderung des nachhaltig gewonnenen Rohstoffes Holz entgegengewirkt werden (FSC). Nur der wirtschaftliche Wert der Wälder kann die Brandrodung und die Rodung zugunsten anderer Agrarerzeugnisse als Hauptursachen der Zerstörung reduzieren. Für aussereuropäische Hölzer sind zwingend die Labels der Nachhaltigen Forstwirtschaft zu fordern. Anerkannte Standards in der Natursteinverarbeitung einzuhalten, verbessert die Arbeitsbedingungen in Steinbrüchen und weiterverarbeitenden Betrieben in Entwicklungs- und Schwellenländern.

ENV2.1 Ökobilanz – Primärenergie

Das Kriterium bewertet den gesamten Primärenergiebedarf eines Gebäudes. Besonderer Wert wird hierbei auf eine Reduktion des Gesamtverbrauchs an Primärenergie und auf eine Maximierung des Einsatzes erneuerbarer Energien gelegt. Ziel ist hierbei eine Übererfüllung der gesetzlichen Vorschriften zugunsten des globalen Klima- und Ressourcenschutzes.

ENV2.2 Trinkwasserbedarf und Abwasseraufkommen

Trinkwasser ist kostbar. Jeder Mensch muss zum Überleben täglich 2-3 Liter Wasser zu sich nehmen. Der Trinkwasserverbrauch in der Schweiz liegt allerdings weit darüber – bei etwa 237 Litern pro Person und Tag. Der grösste Teil des verbrauchten Trinkwassers wird für die Körperhygiene, die Reinigung und nicht zuletzt den Toilettengang verwendet. Für Büro- und Verwaltungsbauten liegt der durchschnittliche Verbrauch anteilig bei ca. 30 bis 50 Litern pro Arbeitstag und Mitarbeiter.
Diese Wassermenge wird pro Tag und Person den natürlichen Kreisläufen entnommen, aufbereitet, genutzt und muss anschliessend aufwendig geklärt werden, um wieder in Fliessgewässer eingeleitet zu werden.
Die Ziele sind daher, diesen Verbrauch durch geeignete Massnahmen zu verringern, damit den Aufwand für die Gewinnung von Trinkwasser und die Abwasseraufbereitung zu reduzieren und die Störung des natürlichen Wasserkreislaufs weitgehend zu vermeiden.

ENV2.3 Flächeninanspruchnahme

Der ungebremste Bodenverbrauch von 1 m²/s und die fortschreitende Zerschneidung und Zersiedlung der Landschaft sind nicht vereinbar mit einer Nachhaltigen Entwicklung in der Schweiz. In dem Aktionsplan 2008-2011 der «Strategie Nachhaltige Entwicklung» des Bundesrates werden bei den Schlüsselherausforderungen die Ziele der Reduzierung des Flächenverbrauchs, die Beendigung der Zersiedelung der Landschaft und die nach innen zu lenkende Siedlungsentwicklung genannt. Mit einer verstärkten Ausrichtung der kantonalen Richtplanung und der kommunalen Nutzungsplanung auf die Nachhaltige Entwicklung und die Schaffung von geeigneten Rahmenbedingungen für eine flächen- und kostensparende Siedlungsentwicklung soll die stetige Zunahme von Siedlungsfläche bzw. Siedlungsfläche pro Person reduziert und auf einem verträglichen Niveau stabilisiert werden.

Ökonomische Qualität (ECO)
ECO1.1 Gebäudebezogene Kosten im Lebenszyklus

Immobilien verursachen über ihren gesamten Lebenszyklus (Lz) hinweg hohe Kosten: von der Erstellung über die Nutzung bis hin zum Rückbau. Im Sinne eines wirtschaftlichen Umgangs mit finanziellen Ressourcen ist es das Ziel der Bereiche Bauen und Nutzen, die gesamten Lebenszykluskosten (LzK) von Bauwerken und deren Umgebung zu minimieren.
Die LzK-Ermittlungen im Rahmen der Zertifizierung dienen vor allem dazu, unterschiedliche Bauwerke einer gemeinsamen Nutzungsart vergleichbar zu machen. Für diese Anwendung werden daher eindeutige Regeln für die Ermittlung und die Dokumentation vorgegeben. Bewertet werden die Ergebnisse anhand von Vergleichswerten (Benchmarks).
Ziel dieser Regeln ist es, ein vergleichbares und streng projektbezogenes Verfahren zu etablieren, das verschiedene Bauwerke der gleichen Nutzungsart anhand von festgelegten Parametern vergleichbar macht. Dabei werden ausgewählte Herstellungs- und Nutzungskosten einbezogen, um unnötige Ausgaben zu vermeiden. Der Betrachtungsrahmen wird auf bestimmte Kostengruppen reduziert, um den Fokus auf die bauwerksbezogenen Lebenszykluskosten zu behalten. Die Lebenszykluskosten werden über einen fest definierten Betrachtungszeitraum ermittelt.

ECO2.1 Flexibilität und Umnutzungsfähigkeit

Je leichter sich ein Gebäude an veränderte Anforderungen anpassen lässt, desto günstiger wirkt sich das auf die Akzeptanz der Nutzer, seine Lebensdauer und die Lebenszykluskosten aus. Gute Umnutzungsfähigkeit und Flexibilität vermindern daher das Risiko eines Leerstands und tragen langfristig zum wirtschaftlichen Erfolg der Immobilie bei. Das Ziel ist es deshalb, das Gebäude so flexibel wie möglich zu konzipieren und eine möglichst grosse Fähigkeit zur Umnutzung einzuplanen.

ECO2.2 Marktfähigkeit

Eine der drei Säulen der Nachhaltigkeit ist die Ökonomie. Als Ökonomie wird hierbei die Gesamtheit aller Einrichtungen und Prozesse verstanden, die dazu dienen, den menschlichen Bedarf zu decken - sei es durch die Produktion und Verteilung von Gütern oder das Angebot von Dienstleistungen. Auch Gebäude dienen den Menschen: Je nach Nutzung unter anderem zum Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Sport treiben etc. Nicht genutzte Gebäude sind eine Fehlallokation wirtschaftlicher Ressourcen. Ein (mittel- oder langfristig) leerstehendes Gebäude ist nicht nachhaltig. Ziel dieses Kriteriums ist es deshalb zu prüfen, ob ein Gebäude das Potential hat, mittel- und langfristig vom relevanten Markt bzw. den angestrebten Nutzern akzeptiert zu werden.

Soziokulturelle und funktionale Qualität (SOC)
SOC1.1 Thermischer Komfort

Der thermische Komfort in Gebäuden leistet einen wichtigen Beitrag zu einem effizienten und leistungsfördernden Arbeits- und Wohnumfeld. Thermisch komfortabel ist ein Raum, wenn es dort weder zu kalt noch zu warm ist, die Luft nicht zu trocken oder zu feucht ist und keine Zugluft herrscht.

SOC1.2 Innenraumluftqualität

Ziel ist die Sicherstellung einer Innenraumluftqualität unter hygienischen Gesichtspunkten, so dass sie zu keinen negativen Effekten hinsichtlich der Befindlichkeit der Raumnutzer führt, die hygienische Sicherheit garantiert und eine empfundene Luftqualität gewährleistet, die bei den Raumnutzern zu keinen negativen Geruchseindrücken führt. Eine TVOC (Total Volatile Organic Compound) Konzentration von mehr als 3.000 μg/m³ ist als hygienisch bedenklich einzustufen, deshalb sind Gebäude mit einer solch hohen Belastungen nicht zertifizierbar.

SOC1.3 Akustischer Komfort

Ziel ist die Sicherstellung einer geeigneten raumakustischen Qualität entsprechend der jeweiligen Nutzung der Räume. Die raumakustische Qualität bestimmt die akustische Behaglichkeit und hat wesentlichen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz.

SOC1.4 Visueller Komfort

Die Nutzerzufriedenheit steht in engem Zusammenhang mit dem Komfortempfinden des Nutzers. Hierbei spielt die Tageslichtversorgung im Innenraum eine besonders wichtige Rolle. Natürliches Licht wirkt sich positiv auf die psychische und physische Gesundheit des Menschen aus.
Der visuelle Komfort an Arbeitsplätzen bildet die Grundlage für effizientes und leistungsförderndes Arbeiten und einer hohen Zufriedenheit am Arbeitsplatz, zudem ermöglicht eine gute Tageslichtnutzung ein Energieeinsparpotential für künstliche Beleuchtung und Kühlung. Es soll daher in allen ständig genutzten Innenräumen eine ausreichende und störungsfreie natürliche und künstliche Beleuchtung sichergestellt werden.

SOC1.5 Einflussnahme des Nutzers

Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit des Nutzers ebenso wie der Energieverbrauch im Gebäude hängen eng mit den Möglichkeiten zusammen, die der Nutzer zur individuellen Beeinflussung des Raumklimas hat. Wichtige Faktoren für eine möglichst hohe Akzeptanz des Raumklimas sind die thermische Behaglichkeit, die Qualität der Innenraumluft, der Geräuschpegel und die Beleuchtung. Ziel des Kriteriums ist es deshalb, dem Nutzer eine möglichst grosse Einflussnahme auf die Bereiche Lüftung, Sonnenschutz, Blendschutz, Temperatur (innerhalb und ausserhalb der Heizperiode) Tageslicht und Kunstlicht zu ermöglichen.

SOC1.6 Aussenraumqualitäten

Aussenliegende Aufenthaltsbereiche in der unmittelbaren Umgebung des Gebäudes dienen dem Allgemeinwohl des Nutzers, bieten alternative Arbeits- und Pausenflächen, fördern den Austausch zwischen den Nutzern und erhöhen die allgemeine Akzeptanz des Bauwerks. Die Einbindung der gebäudebezogenen Aussenflächen in die Gesamtgestaltung des Bauwerks und seiner Umgebung fördert die Entwicklung eines dreidimensionalen urbanen Umfelds. Die Aussenraumflächen können darüber hinaus bei entsprechender Gestaltung einen Beitrag zur Verbesserung des Stadtbildes und des Mikroklimas sowie zur Reduktion des CO2-Ausstosses leisten.
Ziel ist es, möglichst vielen Nutzern möglichst vielfältige Aufenthaltsmöglichkeiten mit unterschiedlichen Qualitäten zu bieten.

SOC1.7 Sicherheit und Störfallrisiken

Ein hohes Sicherheitsempfinden trägt grundlegend zur Behaglichkeit des Menschen bei. Unsicherheit und Angst schränken hingegen die Bewegungsfreiheit ein. Massnahmen, die das Sicherheitsgefühl erhöhen, sind in der Regel auch dazu geeignet, die Gefahr von Übergriffen durch andere Personen zu verringern.
Ziel ist es, Gefahrensituationen so weit wie möglich zu vermeiden und die Auswirkungen eines nicht zu verhindernden Schadens durch höhere Gewalt soweit wie möglich zu reduzieren.

SOC2.1 Barrierefreiheit

Das Behindertengleichstellungsgesetz und die Gleichstellungsverordnung fordern von Gesetzeswegen her hindernisfreie Bauten. Die grösstmögliche Barrierefreiheit, sowohl des Innenbereichs als auch der zugehörigen Aussenflächen, ist ein entscheidendes Kriterium für die Nutzbarkeit eines Gebäudes. Barrierefreiheit ist ein wesentlicher Bestandteil einer zukunftsweisenden und nachhaltigen Entwicklung im Bauwesen.
Ziel ist es, jedem Menschen die gesamte gebaute Umwelt ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich zu machen. Das soll Menschen mit Behinderungen eine unabhängige Lebensführung und die volle Teilhabe in allen Lebensbereichen ermöglichen.
Dabei muss die Barrierefreiheit für die öffentlich genutzten Bereiche gewährleistet sein und sollte gleichfalls für die nutzungsspezifisch ausgewiesenen Bereiche umgesetzt werden.

SOC2.2 Öffentliche Zugänglichkeit

Die gesellschaftliche Akzeptanz eines Gebäudes ebenso wie seine Integration in den städtebaulichen Kontext, wird durch eine gute öffentliche Zugänglichkeit und durch ein vielfältiges Nutzungsangebot gefördert.
Öffentliche Zugänglichkeit fördert die Kommunikation und die Gemeinschaft. Ein vielfältiges Nutzungsangebot sorgt für eine Belebung des öffentlichen Raumes und fördert die Gemeinschaft, erhöht die Akzeptanz der Nachbarschaft und die Integration des Gebäudes und der Freiflächen als Teil des vorhandenen Stadt-raumes. Gleichzeitig erhöhen diese Faktoren das Sicherheitsempfinden der Nutzer und tragen zur ökonomischen Nachhaltigkeit des Gebäudes bei.

SOC2.3 Velokomfort

Velofahren ist wesentlicher Bestandteil eines umweltgerechten Individualverkehrs. Ziel ist es deshalb, die Nutzung von Velos zu fördern und zu unterstützen.
Da ein Grossteil der Autofahrten weniger als 5 km beträgt, kann die Umlagerung auf Velofahren massgeblich zur Ausbildung einer umweltgerechten und energieeffizienten Mobilität beitragen. Dabei sind es nicht vorwiegend die quantitativen, sondern die qualitativen Aspekte, die über die Nutzerakzeptanz entscheiden. Ein quantitativer Mangel der gebäudebezogenen Veloinfrastruktur wird in der Praxis oft durch ‚wildes' Parkieren im öffentlichen Bereich ausgeglichen. Ein schwerer qualitativer Mangel führt oft zum Versagen der Veloinfrastruktur und kann nicht ausgeglichen werden.
Das Ziel ist, die Nutzung von Velos zu fördern und zu unterstützen. Wichtige Voraussetzung hierfür ist eine ausreichende Anzahl von qualitativ angemessenen Velostellplätzen auf dem Grundstück. Dies steigert die Nutzerakzeptanz und verhindert ein unkontrolliertes Abstellen der Velos im öffentlichen Bereich.

SOC3.1 Verfahren zur städtebaulichen und gestalterischen Konzeption

Die Vergabe von Planungsleistungen über Wettbewerbe hat sich bewährt. Wettbewerbe dienen dem Erreichen einer optimalen Lösung für die architektonischen und baulich-konstruktiven Aufgaben. Sie sichern darüber hinaus die baukulturelle Vielfalt.

SOC3.2 Kunst und Bau

Kunst am Bau ist Bestandteil der Baukultur und trägt zur Qualität und Ausdruckskraft eines Bauwerks sowie zu einem Dialog zwischen Gebäude, Nutzerschaft und Öffentlichkeit bei. Öffentliche und private Bauherren sollen die Baukultur fördern und Leistungen an bildende Künstler vergeben, sofern Zweck und Bedeutung des Bauwerks dies rechtfertigen.

SOC3.3 Grundrissqualitäten

Der Grundriss eines Gebäudes hat wesentlichen Einfluss auf dessen Funktionalität und Flexibilität hinsichtlich unterschiedlicher Nutzungen. Diese Faktoren wiederum tragen entscheidend zur räumlichen und gestalterischen Qualität und Wertstabilität eines Gebäudes bei. Sie beeinflussen auch das Wohlbefinden der Nutzer.

Technische Qualität (TEC)
TEC1.1 Brandschutz

Mit der Entstehung eines Brandes ist praktisch jederzeit zu rechnen. Brandereignisse gefährden Leib und Leben von Menschen und Tieren, verursachen Schäden an der Sache (z. B. Bausubstanz) und setzen Schadstoffemissionen frei. Vorzubeugen ist gegen die Entstehung eines Brandes und der Ausbreitung von Feuer und Rauch. Weiterhin ist zu gewährleisten, dass bei einem Brand Menschen und Tiere gerettet sowie wirksame Löscharbeiten durchgeführt werden können.

TEC1.2 Schallschutz

Im Sinne der Nachhaltigkeit wird bei der Bewertung des Schallschutzes nicht die Höhe des Schallschutzes belohnt, sondern die Abstimmung auf die Erwartung des Nutzers bzw. der Nutzergruppe, ausserdem die Kommunikation des zu erwartenden Schallschutzes.
Damit sollen die baulichen Aufwendungen auf das für die Erwartungen abgestimmte Mass optimiert und teure und nicht nachhaltige Überdimensionierungen soweit möglich verhindert werden.
Schliesslich soll der fachlich korrekte und damit nutzbringende Einbau der geplanten Schallschutzbauteile durch Ausführungskontrollen begleitet werden, so dass die getätigten Investitionen optimal zum Tragen kommen.
Zusätzlich wird die Flexibilität bzw. die Möglichkeit einer späteren Umnutzung, z. B. Fremdnutzungsunterteilung, positiv bewertet.

TEC1.3 Wärme- und feuchteschutztechnische Qualität der Gebäudehülle

Ziel ist die Minimierung des Primärenergiebedarfs für die Raumkonditionierung von Gebäuden bei gleichzeitiger Sicherstellung einer hohen thermischen Behaglichkeit und der Vermeidung von Bauschäden.

TEC1.4 Anpassungsfähigkeit der technischen Systeme

Technische Systeme (BKP-Positionen 23, 24, 25 und 26) gehören zu denjenigen Komponenten eines Gebäudes, die dem schnellsten Wandel unterworfen sind; gleichzeitig üben sie wesentlichen Einfluss auf die Funktionstüchtigkeit eines Gebäudes aus. Die Anpassungsfähigkeit der technischen Systeme – insbesondere im Bereich der Gebäudetechnik – spielt deshalb eine wichtige Rolle für die Nachhaltigkeit eines Gebäudes.
Eine hohe Adaptivität der technischen Systeme (d. h. eine gute Anpassbarkeit an sich wandelnde Rahmenbedingungen) kann die Nutzerakzeptanz eines Gebäudes, seine Lebensdauer ebenso wie die im Betrieb entstehenden Kosten entscheidend beeinflussen. Ziel muss es deshalb sein, Gebäude schon heute so zu planen und zu errichten, dass zukünftige Änderungen möglichst leicht vorgenommen werden können.

TEC1.5 Reinigungs- und Instandhaltungsfreundlichkeit des Baukörpers

Die Frage, wie ein Gebäude gereinigt und Instand gehalten werden kann, hat eine grosse Auswirkung auf Kosten und Umweltwirkung eines Gebäudes während seiner Nutzung. Bauteile, die eine optimale Instandhaltung erfahren, haben eine höhere Lebensdauer. Oberflächen, die sich leicht reinigen lassen, benötigen weniger Reinigungsmittel und verursachen geringere Reinigungskosten.
Ziel muss es deshalb sein, die Betriebsaufwendungen für Reinigung und Instandhaltung möglichst gering zu halten und gleichzeitig eine lange Lebensdauer der eingesetzten Materialien zu ermöglichen.

TEC1.6 Rückbau- und Demontagefreundlichkeit

Der Bausektor zählt zu den grössten Verursachern von Stoffströmen in der Schweiz. Die materiellen, energetischen und finanziellen Wirkungen, denen eine steigende Aufmerksamkeit gewidmet wird, hängen eng mit den verursachten Abfallmengen zusammen. Das zeigt sich auch daran, dass nahezu 50% des gesamtschweizerischen Abfallaufkommens dem Bausektor zuzurechnen sind. Herausforderung des Nachhaltigen Bauens ist in diesem Zusammenhang die anfallende Stoffstrommenge zu reduzieren sowie diese in einen Stoffkreislauf zu führen.

Prozessqualität (PRO)
PRO1.1 Qualität der Projektvorbereitung

Ziel des Kriteriums ist eine Optimierung des Planungsergebnisses durch eine frühzeitige Bedarfsplanung und eine entsprechende Zielvereinbarung. Die Anforderungen von Bauherrn und Nutzern an ein Gebäude werden in einer Bedarfsplanung ermittelt und in einer Zielvereinbarung festgelegt. Dies ermöglicht es, Planungsziele klar zu formulieren und ihre konsequente Umsetzung zu überprüfen. Eine solche Projektvorbereitung hat grossen Einfluss auf die spätere Qualität des Gebäudes.

PRO1.2 Integrale Planung

Eine integrale Planung ist die Grundlage für die Planung und Projektrealisierung eines nachhaltigen Gebäudes: Wenn sich alle unterschiedlichen Projektbeteiligten frühzeitig miteinander abstimmen, verbessert das massgeblich den Planungsprozess und das Endergebnis.

PRO1.3 Nachweis der Optimierung und Komplexität der Herangehensweise in der Planung

Für die Errichtung von nachhaltigen Gebäuden gibt es keine Standardlösung. Für jedes Projekt müssen daher immer wieder aufs Neue Lösungswege für die verschiedensten Themen erarbeitet werden. Damit diese möglichst gut ineinander greifen und zu einer optimalen Gesamtlösung führen, sollten sie zu einem frühen Zeitpunkt von einem interdisziplinären Planungsteam als Bestandteil der integralen Planung erarbeitet werden. Konzepte und Variantenstudien sind somit ein wesentlicher Bestandteil einer zielgerichteten Planung und tragen massgeblich zur Verbesserung der Gebäudequalität bei.
Die Erstellung von Konzepten und Nachweisen sichert die Erfassung der Komplexität und der Wechselwirkungen des nachhaltigen Bauens.

PRO1.4 Sicherung der Nachhaltigkeitsaspekte in Ausschreibung und Vergabe

Werden Nachhaltigkeitsaspekte in die Ausschreibung integriert, erhöht das die ökologische und soziale Gebäudequalität. Entscheidungen über die Produktqualität werden dadurch nämlich nicht mehr ausschliesslich aus ökonomischen Gesichtspunkten getroffen. Die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten bei der Auswahl von Firmen verfolgt dasselbe Ziel.

PRO1.5 Schaffung von Voraussetzungen für eine optimale Nutzung und Bewirtschaftung

Ziel ist es, den künftigen Gebäudebetrieb durch umfassende Unterlagen zum Gebäude zu unterstützen. Dies betrifft vor allem Informationen über Gebäudeteile, die im täglichen Betrieb von besonderer Relevanz sind, wie z.B. die Wartung von Oberflächen und haustechnischen Anlagen.
Darüber hinaus wird es mit zunehmender Komplexität und Technisierung der Gebäude immer wichtiger, Handlungsempfehlungen zur Nutzung des Gebäudes zu geben. In Form von Nutzer- oder Mieterhandbüchern und Leitfäden können wichtige Informationen zum Gebäude aufbereitet und zielgerichtet weitergegeben werden.

PRO2.1 Baustelle / Bauprozess

Baustellen und Bauprozesse belasten die lokale Umwelt durch Lärm, Staub und Schmutz. Ziel dieses Kriteriums ist es, die Einflüsse auf die lokale Umwelt und die Anwohner in der näheren Umgebung zu minimieren.

PRO2.2 Qualitätssicherung der Bauausführung

Das Kriterium dient der Beschreibung und Bewertung der Bauausführung. Ziel ist es, durch eine gute Gebäudedokumentation und durch Qualitätskontrollen während der Bauphase Mängel so weit wie möglich auszuschliessen und die erzielte Qualität zu dokumentieren. Darüber hinaus sollen spätere Umbau- und Rückbaumassnahmen erleichtert und hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit optimiert werden.

PRO2.3 Geordnete Inbetriebnahme

Die geordnete Inbetriebnahme eines Gebäudes trägt entscheidend zu einer langfristig und effizient funktionierenden Gebäudetechnik bei. Das Kriterium bewertet deshalb die Durchführung einer geordneten Inbetriebnahme.

Standordqualität (SITE)
SITE1.1 Mikrostandort

Gebäude sind vielfältigen Umwelteinflüssen ausgesetzt. In der Regel werden diese Umweltwirkungen auf das Gebäude in den gesetzlichen Vorschriften angemessen berücksichtigt. Ergänzend hierzu behandelt dieses Kriterium Extremereignisse, die Zustand und Wert eines Gebäudes deutlich beeinflussen können.
Teilweise wurden vom Bund und den Kantonen Regelungen erlassen, die bestimmte Verhältnisse am Mikrostandort sicherstellen oder zumindest dokumentieren sollen (z.B. Lärmemissionen, Luftverunreinigungen).
Die hier untersuchten Risiken verursachen bei Eintritt hohen wirtschaftlichen Schaden und führen zu Verunsicherung in der Bevölkerung. Ihre Wirkung strahlt in der Regel weit über den Makrostandort. Somit ist die einzelne Privatperson überfordert, mit den Folgen umzugehen und ist darauf angewiesen, dass die Gesellschaft unterstützend eingreift, wie es auch zum Selbstverständnis der demokratischen Grundordnung gehört.

SITE1.2 Image und Zustand von Standort und Qualität

Das Image eines Standorts ist zum einen nutzungsabhängig, hat zum anderen aber auch Einfluss auf die spätere Nutzung selbst. Ein industriell geprägtes Image kann sich zum Beispiel positiv auf gewerbliche Nutzungen, aber negativ auf Wohnnutzungen auswirken. Das Image eines Standorts trägt wesentlich dazu bei, dass das Gebäude von seinen Nutzern und Besuchern angenommen wird. Ein schlechtes Image kann zu Leerstand und einem vorzeitigen Abrisses des Gebäudes führen. Insbesondere für die ökonomische und soziale Qualität eines Standorts ist es deshalb entscheidend, dass dieser nicht nur funktionalen Anforderungen genügt, sondern auch ein positives Image vermittelt.

SITE1.3 Verkehrsanbindung

Die Anbindung eines Gebäudes an verschiedene Verkehrsmittel ist ein wichtiges Kriterium für die Qualität des Standorts. Das Kriterium bewertet deshalb die räumliche Anbindung des Gebäudes an die einzelnen Verkehrsmittel (z. B. die Entfernung zur nächsten Haltestelle oder Autobahnauffahrt) und die Leistungsfähigkeit und Qualität (z. B. Taktfrequenz) des jeweiligen Verkehrsmittels.

SITE1.4 Nähe zu nutzungsrelevanten Objekten und Einrichtungen

Ein Standort lässt sich nur gemeinsam mit seinem Umfeld und den Nutzungsmöglichkeiten in der Umgebung bewerten.

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